MARISA BURN-PICHLER

Artist

„Fragen bedeuten nicht Kritik, sondern dass Leute deine Vision nicht verstehen“

Artwork by Marisa Burn

Nur einen Job zu nennen, würde der Schweizerin nicht gerecht werden. Denn heute führt Marisa Burn-Pichler erfolgreich ihre Kreativagentur Burninglights, ist für das Interior Design einiger bekannten Shops und Restaurants verantwortlich, arbeitete als Stylistin für Modemagazine oder als Consultant für Lifestylefirmen und Konzerne und hält Vorträge an Kunsthochschulen zu Social Media und Trends. Außerdem ist sie Musikerin, Künstlerin und zweifache Mutter. Alles begann, als sie vor mehr als 13 Jahren als Modebloggerin mit ihrer Seite HOPEHOPE startete.

Über ihre Inspirationen, Lektionen und wie sie es schafft, alle ihre Leidenschaften zu vereinen, spricht sie im Interview. Und erzählt auch, warum kleinere und größere Pausen oft besser zum Ziel führen können, als wenn man den geradlinigen Weg geht.

HER WAY

Du hast eine sehr breitgefächerte, kreative Karriere gestartet. Wie kam es dazu?

Marisa Burn-Pichler: Es hat mit meinem ziemlich pionierhaften Studiengang angefangen, das hieß damals „Postindustrial Design“ an der Hochschule für Kunst und Gestaltung Basel. Inhaltlich ging es darum, wie wir mit den Technologien arbeiten und wie kann man sie im Leben mit einem Mehrwert einsetzen kann? Das Problem war aber, dass es mit so einem interdisziplinären Abschluss nicht viele Stellen gab. Wenn dann in Trendforschungsbüros oder Think Tanks, aber das war sehr theoretisch. Ich wollte aber Projekte umsetzen. Zum Studienabschluss mussten wir ein reales Projekt umsetzen und da es für mich eine Option war, dass ich selbstständig arbeite, startete ich mit dem ersten Schweizer Modeblog. Das war 2006. Damals war ich im deutschsprachigen Raum eine von sieben Bloggerinnen, wir wurden anfangs auch sehr von den klassischen Medien belächelt.

Und heute hast du deine eigene Agentur, bist Mutter, Künstlerin und Musikerin. Hast du einen Alltag? Wie startest du in den Tag?

Marisa Burn-Pichler: Ich stehe jeden Morgen um 6 Uhr auf und möchte eine Stunde für mich alleine haben. Dann trinke ich Kaffee, im Winter im Dunkeln, im Sommer auf dem Balkon. Danach versuche ich ein wenig zu Meditieren und Yoga zu machen, mache die Kinder fertig und gehe in die Arbeit.

Marisa Burn

Ist es einfach vereinbar, dein kreatives Leben und das Muttersein?

Marisa Burn-Pichler: Ich finde es ein gutes Modell, Unternehmerin und Mutter zu sein. Sie sind sehr viel mit im Geschäft. Zwischen dem ersten und dem zweiten Kind habe ich noch sehr viel gearbeitet. Dann habe ich aber gemerkt, dass das Geschäft und ich darunter leiden. Aber ich hatte Unterstützung von meinen Mann und das Glück, dass viele Leute, die uns unterstützen, in unserer Nähe wohnen. Ich habe mir dann ein Jahr eine Auszeit genommen um neue Projekte zu starten und danach auch nur zu 60 Prozent gearbeitet. Denn das Leben ist wichtig und nicht das Business. Das ist etwas, was ich mache. Ich beantworte meine Emails nur einmal die Woche. Wenn sie nicht zu einem Projekt gehören das ich gerade umsetze. Das ist auch etwas, dass ich bei meinem Consulting merke. Die Leute sind überkommuniziert. Wir brauchen neue Anstandsformen, wenn es um die Kommunikation geht.

Wie berätst du die Firmen oder Personen dann in dieser Richtung?

Marisa Burn-Pichler: Ich finde, dass das Telefon und der direkte Kontakt immer besser ist. Wir sind alle mit unseren To-Do-Listen beschäftigt, aber das hat ja nichts mit dem Timing der anderen Person zu tun. Emails, Instagram, Facebook, Whatsapp. Es gibt so viele Orte, an denen etwas passiert. Man muss selber Herrin der Dinge bleiben.

Hast du jemals gezweifelt, ob du den richtigen Weg eingeschlagen hast?

Marisa Burn-Pichler: Das tue ich immer mal wieder. Es ist wichtig, dass man sich hinterfragt. Wenn es in einem Projekt schwierig ist, oder der Cashflow nicht stimmt, dann überlegt man schon, ob man nicht lieber die Jobangebote nach dem Studium hätte annehmen sollen. Aber ich bin jemand, der daran glaubt, dass alles so richtig ist, wie es zur Zeit ist.

HER MOVES

Wie bewegst du dich in Zürich fort?

Marisa Burn-Pichler: Ich habe das Glück, dass alles in meiner Nähe ist. Und ich von Ort zu Ort nur sieben Minuten laufe. Das gibt mir einen großen Mehrwert. Ich bin zu Fuß genauso schnell wie mit dem Fahrrad. Wir haben auch ein Auto, ein praktischer Peugeot Kombi, bei dem wir die Sitze umlegen und mit dem wir alles für die Projekte transportieren können.

Neben deiner kreativen Arbeit bist du nun auch als Aktivistin mit dem „Peaceclub“ tätig. Woher kam die Motivation dazu? Und wie bekommst du alle Projekte unter einen Hut?

Marisa Burn-Pichler: Ich mache all diese Projekte in meiner Arbeitszeit und bin fleißig, mache viel. Sowas passiert auch einfach ganz natürlich. Es gehört für mich dazu Künstlerin zu sein und mich zu verwirklichen, in dem was mir wichtig ist. Mein Mann ist auch Künstler und wir sind nicht politisch aktiv, sondern nehmen viel mehr Anteil an der Gesellschaft. Wenn alle diese Probleme auf der Welt sind, wieso ist die Berichterstattung so negativ? Wieso wird nie geschrieben, dass etwas Gutes passiert ist? Dass sich etwas an einem Ort zum Guten verändert hat? Und mit dieser Idee ist der Peaceclub entstanden. Sowas ist ansteckend, denn wenn man gute Sachen und von guten Menschen hört, dann spornt das an, auch Gutes in der Welt zu tun.

HER STYLE

Du warst eine der ersten Modebloggerinnen. Wie würdest du deinen Stil heute beschreiben?

Marisa Burn-Pichler: Als wir mit den Blogs gestartet haben, ging es gar nicht so sehr um die Mode, sondern mehr, was in der Modewelt passiert. Aber klar, früher war mein Stil eklektischer. Heute kleide ich mich etwas eleganter, trage viele helle und bunte Kleider. Ich mag es sehr, Deutsche und Schweizer Designer zu tragen. Ich bin nicht mehr so orientiert an Statussymbolen, trage aber auch viel unsere eigenen Sachen. Als Designer schätze ich die Designs von Katrin Eckhardt Studio und Claudia Bertini sehr. Und die Accessoires von Future Archive.

Ich mag es heute sehr deutsche und schweize Designer zu tragen

HER SELF

Wo findest du Ruhe und wo Inspiration?

Marisa Burn-Pichler: Wir haben das Glück mit der Familie ein Bauernhaus in den Schweizer Bergen zu haben. Ansonsten reise ich gerne nach Südostasien. Ich habe auch ostasiatische Kunstgeschichte studiert, weil mich die Verbindungen zu unserer Kultur, Philosophie und Religion interessiert haben. Auch die Farbenwelt ist eine ganz andere, wenn man zum Beispiel nach Korea blickt. Auch Angkor Wat in Kambodscha zeigt einen Kontrast zur Natur und zum Mensch, das ist überwältigend. Ich finde das alles stimulierend, weil das eine Welt ist, die ich noch nicht kenne.

Und wo findest du Entspannung im Alltag?

Marisa Burn-Pichler: Wir haben einen großen Garten am Rande der Stadt, den wir mit acht Freunden teilen. Wenn ich dort den ganzen Tag sein kann, und wenn es nur auf der Terrasse sitzen ist oder die Brennnessel sind, die ich rausreiße, dann ist das Entspannung für mich.

Welchen Tipp möchtest du jungen Kreativen und Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Marisa Burn-Pichler: Wenn man einen pionierhaften Weg einschlägt, muss man immer aufs eigene Bauchgefühl hören. Denn oft verstehen die Leute nicht, was man macht. Man darf das dann nicht als Kritik sehen, sondern sollte seine Vision erklären. Aber von diesen Fragen darf man sich nicht entmutigen lassen.

Empfehlungen von Marisa Burn-Pichler zu Meditation, Yoga und Instagram

Ich mache am morgen zum Teil geführte Meditationen, zum Beispiel von Gabby Bernstein: https://gabbybernstein.com/

Yoga mache ich am morgen gerne mit Adriane Mishler: https://yogawithadriene.com/

Podcast höre ich momentan gerne Oprah’s Super Soul Conversations.

Instagram

Philip Lim zeigt seine schöne Welt und nimmt politisch und sozial Anteil am geschehen auf der Welt. https://www.instagram.com/therealphilliplim

Garance Doré ist offen und ehrlich und eine kritische und symptasche Figur in der Mode und Design Welt https://www.instagram.com/garancedore

Ich bin ein Grosser Fan von Tanz und folge vielen Tänzerinnen und Tänzer, Nick Palmquist Tänzer und Choreograph hat einen Stil der mir sehr gut gefällt. https://www.instagram.com/napalmquist/

Thank you Marisa

Credit: Raphaela Pichler

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